Brandschutz- & Tragwerksplanung
Deutschland

Kannst du uns etwas über deinen Hintergrund erzählen?
Sechs Jahre war ich bei GetYourGuide und in dieser Zeit habe ich praktisch jede Phase erlebt, die ein wachsendes Unternehmen durchmachen kann: erst Hypergrowth mit großen Funding-Runden und scheinbar grenzenlosem Momentum, dann 2020 mit Covid der freie Fall, als Reiseunternehmen fielen wir quasi von hundert auf null, und danach eine ebenso steile Erholung. Diese drei Phasen so kurz hintereinander zu erleben, das prägt einen. Davor war ich bei BCG, was ich im Rückblick als meine kaufmännische Grundausbildung bezeichnen würde.
Wann war klar, dass du gründen willst?
Erholung. Diese drei Phasen so kurz hintereinander zu erleben, das prägt einen. Davor war ich bei BCG, was ich im Rückblick als meine kaufmännische Grundausbildung bezeichnen würde.
Unternehmerisch hat es mich immer fasziniert. Den richtigen Moment dafür habe ich allerdings erst erkannt, nachdem ich bei GetYourGuide erlebt hatte, wie aus einer zunächst abstrakten Vision mit einem motivierten Team, Ausdauer und der Bereitschaft, Rückschläge auszuhalten, Schritt für Schritt ein erfolgreiches Unternehmen entsteht. Ich durfte diesen Weg durch ganz unterschiedliche Phasen, erfolgreiche wie herausfordernde, mitgestalten. Irgendwann war es für mich keine Frage mehr des Ob, sondern nur noch des Wann. Ich bin ausgestiegen, ohne bereits zu wissen, dass daraus einmal die IX Gruppe entstehen würde, aber mit der klaren Überzeugung, etwas Eigenes aufbauen zu wollen.
Wie bist du zu Buy & Build gekommen?
Eigentlich über meinen Co-Founder Moritz. Wir kennen uns seit fast zwanzig Jahren, noch aus dem Studium, und er kommt aus der Finanzwelt: Erst M&A und dann mehrere Jahre als Investor. Für mich war es fast wichtiger, mit wem ich gründe, als was ich gründe. Als wir verschiedene Optionen durchdacht haben, hat sich schnell eine klare Aufteilung ergeben: Moritz übernimmt die Buy-Seite, ich die Build-Seite, so ergänzen wir uns als Team perfekt.
Für mich war es fast wichtiger, mit wem ich gründe, als was ich gründe.
Ihr baut eine Gruppe im Bereich Brandschutz- und Tragwerksplanung. Wie kam es zur Entscheidung für genau diese Branche?
Wir haben den Markt bewusst gesucht. Er ist stark fragmentiert, ein Großteil der Wertschöpfung wird von kleinen und mittelständischen Unternehmen erbracht, von Einzelkämpfern bis hin zu Büros mit 40 bis 50 Mitarbeitenden. In vielen dieser Unternehmen ist die Nachfolge aktuell ungeklärt und die Gründergeneration nähert sich dem Ruhestand.
Gleichzeitig stehen diese Büros vor großen inhaltlichen Herausforderungen: Digitalisierung, KI, Fachkräftemangel und steigende Projektkomplexität. Ein Büro mit zehn Mitarbeitenden kann das kaum allein stemmen. Unsere These lautet: Man verbindet die Vorteile kleiner, regional geführter Einheiten mit denen eines starken Verbunds. Eine Plattform, auf der die einzelnen Büros langfristig erfolgreich und gleichzeitig eigenständig bleiben, anstatt in konzernartigen Strukturen zu verschwinden.
Uns treibt vor allem die Vision an, den Wandel, der in dieser Branche bereits heute stattfindet und sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen wird, aktiv zu gestalten.
Am Ende ist es weniger ein zahlengetriebener Prozess, als man denkt, und vor allem ein menschlicher und emotionaler.
Wie habt ihr die These geprüft?
Früh und direkt im Gespräch mit dem Markt. Wir haben mit Architekten, Ingenieuren und Projektentwicklern gesprochen und am Ende jedes Gesprächs gefragt, ob sie das Gruppenkonzept für tragfähig halten oder ob wir es besser lassen sollten. Wir hatten erwartet, dass etwa achtzig Prozent dagegen sind. Tatsächlich war es genau umgekehrt: Achtzig bis neunzig Prozent meinten, das könnte funktionieren, wir hätten die Probleme verstanden. Das war eine frühe und substanzielle Bestätigung. Parallel dazu haben wir früh und intensiv mit Aven den Austausch gesucht, um die These zu schärfen.
Was entscheidet einen Unternehmenskauf im Mittelstand wirklich?
Am Ende ist es weniger ein zahlengetriebener Prozess, als man denkt, und vor allem ein menschlicher und emotionaler. Man muss die richtigen Partner finden, Menschen, mit denen eine echte Beziehung entsteht und ein gemeinsames Verständnis der Vision. Und man muss sich über die eigene Rolle im Klaren sein: Ich gehe nicht hinein und erkläre dem Ingenieur, wie er sein Büro besser führen soll. Er oder sie soll ein guter Ingenieur oder eine gute Ingenieurin bleiben, wir bringen die unternehmerische Komponente dazu.
Welche Rolle spielt der erste Partner in der Plattform?
Eine ganz besondere Rolle spielt das erste Unternehmen. Es wird zur Galionsfigur für alles, was danach kommt. Bei uns war das Herr Schröder von der HTGS (Hoch- und Tiefbau- Generalplanung Schröder). Seitdem ist er ein integraler Bestandteil der Weiterentwicklung der Gruppe. Wenn ich heute mit einem neuen Unternehmen spreche, führe ich frühzeitig ein Gespräch mit ihm, um seine Einschätzung zum Unternehmen und dessen fachlichen Fit innerhalb der Gruppe einzuholen. So erhalte ich eine fundierte Bewertung von Unternehmer zu Unternehmer. Diese Art von Validierung unter Peers kann kein Investor ersetzen.
Der Kauf eines Unternehmens ist die Startlinie der gemeinsamen Arbeit, nicht das Ziel.
Was ist das Wichtigste, das du bisher gelernt hast?
Der Kauf eines Unternehmens ist die Startlinie der gemeinsamen Arbeit, nicht das Ziel. Viele unterschätzen das, sie denken, mit dem Kauf sei bereits alles geschafft. Die eigentliche Arbeit beginnt erst danach: gemeinsam mit den Unternehmern eine Gruppe aufzubauen, die über die nächsten Jahrzehnte nachhaltig erfolgreich ist. Das ist unser eigener Anspruch und was mich langfristig antreibt.
Steckbrief
Wir arbeiten mit Gründerinnen und Gründern monatelang zusammen, bevor wir investieren. Wenn dich Philipps Weg anspricht, sprich mit uns.